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Buchhaltungssoftware für Selbstständige auswählen: 8 Kriterien, Matrix und Testplan
Eine Buchhaltungssoftware für Selbstständige muss 2026 vor allem E-Rechnungen empfangen können, denn das ist seit dem 1. Januar 2025 Pflicht. Ab 2027 müssen Unternehmen mit mehr als 800.000 € Vorjahresumsatz sie auch ausstellen, ab 2028 fast alle. Hier findest du 8 Kriterien, eine Bewertungsmatrix und einen Testplan für 4 Wochen.
Text: Andy Staudinger, selbstständiger Web- und App-Entwickler. Zuletzt geprüft am 6. November 2026.

Kurz gesagt
- E-Rechnungen empfangen und archivieren musst du seit 2025, auch als Kleinunternehmer.
- Für die meisten Freiberufler reicht eine EÜR Software, die die Anlage EÜR als Datensatz an ELSTER sendet.
- Beleg-App und Bankanbindung sparen im Alltag die meiste Zeit. Im Beispiel unten sind das 33 Stunden im Jahr.
- Teste jede Software 4 Wochen mit echten Belegen, bevor du ein Jahresabo abschließt.
Einen Test einzelner Programme veröffentlichen wir erst, wenn wir sie selbst mit echten Konten genutzt haben. Bis dahin hilft dir dieser herstellerneutrale Leitfaden beim Vergleichen. Er nennt bewusst keine Anbieter, Preise oder Bewertungen.
Was ist eine Buchhaltungssoftware für Selbstständige?
Eine Buchhaltungssoftware erfasst alle Einnahmen und Ausgaben deines Unternehmens, ordnet sie Belegen zu und erstellt daraus deine Steuermeldungen. Für Selbstständige sind das meist die Einnahmen-Überschuss-Rechnung und die Umsatzsteuer-Voranmeldung. Die meisten Programme laufen heute im Browser und speichern die Daten beim Anbieter.
Im Alltag begegnen dir drei Arten von Lösungen. Sie überschneiden sich, decken aber unterschiedlich viel ab.
| Art | Was sie kann | Was fehlt | Passt für |
|---|---|---|---|
| Rechnungsprogramm | Angebote und Rechnungen schreiben, Zahlungseingänge verfolgen, Mahnungen | meist keine Ausgabenbuchung, keine EÜR, keine Voranmeldung | Start mit wenigen Kunden, wenn die Kanzlei den Rest erledigt |
| Buchhaltungsprogramm | Rechnungen, Belege, Bankkonto, EÜR, Voranmeldung per ELSTER | keine Beratung, du trägst die Verantwortung für jede Buchung | Buchhaltung selbst machen |
| Steuerberater-Lösung | Belege hochladen, Kanzlei bucht und meldet, Auswertungen online | wenig eigene Kontrolle, laufende Kanzleikosten | Buchhaltung mit Steuerberater |
Was muss eine Buchhaltungssoftware 2026 können?
Eine Buchhaltungssoftware muss 2026 acht Dinge können: E-Rechnung, EÜR, ELSTER, Bankanbindung, Belegerfassung, GoBD-konforme Archivierung, DATEV Export und Datenschutz nach DSGVO. Welche davon für dich Pflicht sind, hängt von deiner Besteuerung und deiner Kanzlei ab.
| Kriterium | Darauf achten | Warum es zählt |
|---|---|---|
| E-Rechnung | Empfangen, Prüfen und Ausstellen in XRechnung und ZUGFeRD | Empfang seit 2025 Pflicht, Ausstellen ab 2027 oder 2028 |
| EÜR | Einnahmen-Überschuss-Rechnung inklusive Anlage EÜR | die Gewinnermittlung für die meisten Selbstständigen |
| ELSTER | Umsatzsteuer-Voranmeldung direkt senden | spart den Umweg über das ELSTER-Portal |
| Bankanbindung | Konto verbinden, Zahlungen automatisch zuordnen | der größte Zeitgewinn im Alltag |
| Belege | per App fotografieren oder per E-Mail weiterleiten | keine Zettelwirtschaft am Jahresende |
| GoBD | unveränderbare Archivierung, Änderungen protokolliert | Pflicht bei einer Betriebsprüfung |
| Steuerberatung | DATEV-Export oder Zugang für die Kanzlei | sonst tippt deine Kanzlei alles ab und berechnet es dir |
| Preis und Daten | Monatspreis bei deinem Belegvolumen, Server in der EU | Kosten und Datenschutz auf Jahre |
Was bedeutet die E-Rechnungspflicht für deine Software?
Seit dem 1. Januar 2025 muss jedes Unternehmen in Deutschland E-Rechnungen von anderen Unternehmen empfangen können (§ 14 UStG). Das gilt auch für Kleinunternehmer. Eine E-Rechnung ist ein strukturierter Datensatz nach der europäischen Norm EN 16931, etwa im Format XRechnung oder ZUGFeRD.
Eine normale PDF-Datei ist keine E-Rechnung, sondern eine „sonstige Rechnung“. Eine E-Rechnung Software muss deshalb die XML-Daten lesen, lesbar anzeigen und im Originalformat archivieren. Ein Ausdruck oder ein Screenshot ersetzt das Original nicht.
| Zeitraum | Empfangen | Ausstellen | Fundstelle |
|---|---|---|---|
| 2025 und 2026 | Pflicht für alle Unternehmen | Papier oder PDF noch erlaubt, PDF mit Zustimmung des Empfängers | § 27 Abs. 38 Nr. 1 UStG |
| 2027 | Pflicht für alle Unternehmen | E-Rechnung Pflicht bei mehr als 800.000 € Gesamtumsatz im Vorjahr, darunter Übergang erlaubt | § 27 Abs. 38 Nr. 2 UStG |
| ab 2028 | Pflicht für alle Unternehmen | E-Rechnung Pflicht für alle B2B-Rechnungen | § 14 Abs. 2 UStG |
Drei Ausnahmen bleiben dauerhaft. Kleinunternehmer dürfen immer eine sonstige Rechnung schicken (§ 34a UStDV). Kleinbetragsrechnungen bis 250 € brutto (§ 33 UStDV) und Rechnungen an Privatkunden fallen ebenfalls nicht unter die Pflicht. Welche Angaben trotzdem auf jede Rechnung gehören, steht im Ratgeber Rechnung: Pflichtangaben.
Für die Auswahl heißt das: Prüf das Empfangen schon jetzt, das Ausstellen spätestens für 2028. Kaufst du heute ein reines Rechnungsprogramm ohne XRechnung-Export, wechselst du in gut einem Jahr erneut.
Wie erstellt eine EÜR Software die Anlage EÜR?
Eine EÜR Software sammelt alle Einnahmen und Ausgaben nach dem Zufluss-Abfluss-Prinzip und überträgt die Summen in die Anlage EÜR. Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung nach § 4 Abs. 3 EStG ist die Gewinnermittlung für Freiberufler und kleine Gewerbetreibende. Die Anlage EÜR musst du elektronisch an das Finanzamt übermitteln.
Freiberufler dürfen unabhängig vom Umsatz bei der EÜR bleiben. Gewerbetreibende müssen erst bilanzieren, wenn ihr Umsatz über 800.000 € oder ihr Gewinn über 80.000 € im Jahr liegt (§ 141 AO). Ein Buchhaltungsprogramm für Freiberufler braucht deshalb in der Regel keine Bilanz.
Achte im Test auf diese Funktionen:
- Zuordnung jeder Buchung zu einer Zeile der Anlage EÜR, mit Vorschau vor dem Senden.
- Anlagenverzeichnis mit Abschreibung, inklusive geringwertiger Wirtschaftsgüter bis 800 € netto (§ 6 Abs. 2 EStG).
- Die 10-Tage-Regel für regelmäßig wiederkehrende Zahlungen rund um den Jahreswechsel (§ 11 EStG), etwa die Umsatzsteuer für Dezember.
- Getrennte Erfassung privater Anteile, zum Beispiel beim Telefon oder Auto.
Wie sendet die Software die Umsatzsteuer-Voranmeldung per ELSTER?
Eine gute Buchhaltungssoftware berechnet die Umsatzsteuer-Voranmeldung aus deinen Buchungen und überträgt sie direkt an ELSTER. Die elektronische Übermittlung ist Pflicht (§ 18 Abs. 1 UStG). Abgabe und Zahlung sind am 10. Tag nach Ablauf des Zeitraums fällig.
| Umsatzsteuer im Vorjahr | Voranmeldungszeitraum | Fundstelle |
|---|---|---|
| mehr als 9.000 € | monatlich | § 18 Abs. 2 UStG |
| bis 9.000 € | vierteljährlich | § 18 Abs. 2 UStG |
| bis 2.000 € | Finanzamt kann dich von der Voranmeldung befreien | § 18 Abs. 2 UStG |
| Kleinunternehmer | keine Voranmeldung | § 19 UStG |
Prüf im Test, ob die Software den Sendebeleg speichert und ob du vor dem Senden jede Kennzahl nachvollziehen kannst. Wichtig ist auch ein Hinweis auf Fristen und eine Dauerfristverlängerung. Wie viel Umsatzsteuer du bis zur Zahlung zurücklegst, zeigt der Ratgeber Steuerrücklage bilden.
Bist du Kleinunternehmer, brauchst du keine Funktion für die Voranmeldung. Ob die Regelung für dich gilt, steht im Ratgeber Kleinunternehmerregelung 2026.
Was heißt GoBD konform in der Praxis?
GoBD konform heißt: Jede Buchung ist vollständig, nachvollziehbar und nachträglich nicht mehr spurlos änderbar. Die GoBD sind die Grundsätze des Bundesfinanzministeriums zur ordnungsmäßigen Buchführung in elektronischer Form. Sie konkretisieren die Ordnungsvorschriften der Abgabenordnung, etwa § 146 Abs. 4 AO zur Unveränderbarkeit.
Eine Software kann dir dabei nur helfen. Ob deine Buchführung GoBD-konform ist, hängt auch davon ab, wie du sie nutzt. Ein Zertifikat des Anbieters bindet das Finanzamt nicht.
| Anforderung | Was die Software leisten sollte |
|---|---|
| Unveränderbarkeit | festgeschriebene Buchungen nur per Storno korrigieren, Änderungen mit Zeitstempel protokolliert |
| Zeitgerechte Erfassung | Erinnerungen an offene Belege, Buchungsdatum und Erfassungsdatum getrennt |
| Aufbewahrung | Rechnungen und Buchungsbelege 8 Jahre, Bücher und Aufzeichnungen 10 Jahre (§ 147 Abs. 3 AO) |
| Originalformat | E-Rechnungen als XML speichern, nicht nur als Bild |
| Datenzugriff | Export aller Daten in einem maschinell auswertbaren Format für die Betriebsprüfung |
| Verfahrensdokumentation | Beschreibung der Abläufe, die du für deinen Betrieb ergänzt |
Wie funktionieren Belegerfassung und Bankanbindung?
Die Belegerfassung holt Rechnungen per Foto, Upload oder E-Mail-Weiterleitung in die Software und liest Betrag, Datum und Lieferant per Texterkennung aus. Die Bankanbindung lädt die Umsätze deines Geschäftskontos und schlägt passende Belege oder Rechnungen vor. Zusammen ersetzen beide den Abgleich von Hand am Monatsende.
Im Test zählt nicht, ob die Funktion existiert, sondern wie oft sie richtig liegt. Achte auf diese Punkte:
- Erkennt die Texterkennung deutsche Belege mit mehreren Steuersätzen?
- Gibt es eine eigene E-Mail-Adresse, an die du Rechnungen weiterleitest?
- Funktioniert die Bankanbindung mit deiner Bank und wie oft musst du sie neu freigeben?
- Lernt die Software aus Zuordnungen, zum Beispiel bei wiederkehrenden Abos?
Wie viel Zeit spart eine Buchhaltungssoftware?
Mit den Annahmen unten spart eine Buchhaltungssoftware 165 Minuten im Monat. Das sind 33 Stunden im Jahr, beim Stundensatz von 73 € also 2.409 € an Arbeitszeit. Die Minutenwerte sind Schätzungen zum Nachrechnen, keine gemessenen Durchschnittswerte.
Der Stundensatz stammt aus dem Beispiel Webentwickler: 3.500 € netto, 850 € Krankenversicherung, 500 € Altersvorsorge und 400 € Kosten im Monat. Deinen eigenen Wert rechnest du mit dem Stundensatz-Rechner aus.
| Kennzahl | Wert | Berechnung |
|---|---|---|
| Belege pro Monat | 40 | Annahme |
| Ersparnis je Beleg | 3 Min. | 5 Min. von Hand − 2 Min. per App |
| Ersparnis Belege pro Monat | 120 Min. | 40 × 3 Min. |
| Zahlungen pro Monat | 30 | Annahme |
| Ersparnis je Zahlung | 1,5 Min. | 2 Min. von Hand − 0,5 Min. mit Bankanbindung |
| Ersparnis Zahlungen pro Monat | 45 Min. | 30 × 1,5 Min. |
| Ersparnis pro Monat | 165 Min. | 120 + 45 Min. |
| Ersparnis pro Jahr | 33 Std. | 165 Min. × 12 ÷ 60 |
| Stundensatz | 73 € | aus dem Stundensatz-Rechner, Beispiel Webentwickler |
| Wert der gesparten Zeit pro Jahr | 2.409 € | 33 Std. × 73 € |
| Wert pro Monat | 201 € | 2.409 € ÷ 12 |
Die Rechnung zeigt auch, wann sich ein Programm lohnt. Kostet es im Monat weniger als 201 €, ist es im Beispiel günstiger als die Zeit, die du sonst investierst. Setz deine eigenen Belegzahlen und Minuten aus der Testphase ein, dann wird die Zahl belastbar.
Wie vergleichst du Buchhaltungsprogramme für Freiberufler mit einer Matrix?
Eine Bewertungsmatrix gewichtet jedes Kriterium nach seiner Bedeutung für dich und vergibt dann 1 bis 5 Punkte pro Programm. Gewichtung mal Punkte, addiert, ergibt einen Gesamtwert zwischen 1 und 5. So entscheidest du nach deinen Anforderungen statt nach dem schönsten Dashboard.
| Kriterium | Gewichtung | Prüffrage | Programm A (1 bis 5) | Programm B (1 bis 5) |
|---|---|---|---|---|
| E-Rechnung | 20 % | Liest und schreibt sie XRechnung und ZUGFeRD? | ||
| EÜR und Anlage EÜR | 15 % | Erstellt sie die Anlage EÜR als Datensatz? | ||
| Bankanbindung | 15 % | Ordnet sie Zahlungen deines Kontos automatisch zu? | ||
| ELSTER | 10 % | Sendet sie die Voranmeldung direkt? | ||
| Belegerfassung | 10 % | Erfasst sie Fotos und E-Mail-Belege mit Texterkennung? | ||
| GoBD und Archiv | 10 % | Protokolliert sie Änderungen und archiviert unveränderbar? | ||
| DATEV-Export | 10 % | Gibt es einen Export oder Kanzleizugang? | ||
| Datenschutz und Kosten | 10 % | Server in der EU, AVV, Preis bei deiner Belegmenge? | ||
| Summe | 100 % | Gewichtung × Punkte, addiert |
Die Gewichtung oben ist ein Vorschlag für regelbesteuerte Selbstständige. Als Kleinunternehmer setzt du ELSTER auf 0 % und verteilst die 10 Punkte auf E-Rechnung und Belege. Mit Kanzlei erhöhst du den DATEV Export auf 20 % und senkst die EÜR.
| Kennzahl | Wert | Berechnung |
|---|---|---|
| E-Rechnung | 1,00 | 20 % × 5 Punkte |
| EÜR und Anlage EÜR | 0,60 | 15 % × 4 Punkte |
| Bankanbindung | 0,45 | 15 % × 3 Punkte |
| ELSTER | 0,40 | 10 % × 4 Punkte |
| Belegerfassung | 0,50 | 10 % × 5 Punkte |
| GoBD und Archiv | 0,40 | 10 % × 4 Punkte |
| DATEV-Export | 0,20 | 10 % × 2 Punkte |
| Datenschutz und Kosten | 0,40 | 10 % × 4 Punkte |
| Gesamtwert Programm A | 3,95 von 5 | Summe der Zeilen |
Programm B kommt mit denselben Gewichten auf 4,30 von 5 Punkten. Es liegt damit 0,35 Punkte vor Programm A, obwohl A bei der E-Rechnung besser abschneidet. Die Punktwerte im Beispiel sind ausgedacht und beschreiben keine echten Produkte.
Buchhaltung selbst machen oder mit Steuerberater?
Die Buchhaltung selbst machen lohnt sich, wenn du wenige Belege hast, keine Angestellten beschäftigst und dich mit der EÜR auskennst. Mit Steuerberater zahlst du für Sicherheit und gesparte Zeit. Die Kanzlei rechnet nach der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) oder nach Vereinbarung ab.
| Aspekt | Selbst buchen | Mit Steuerberater |
|---|---|---|
| Wer bucht | du, mit der Software | die Kanzlei, du lieferst Belege |
| Wichtigste Software-Funktion | EÜR, ELSTER, Bankanbindung | Belegerfassung, DATEV Export oder Kanzleizugang |
| Zeitaufwand für dich | laufend jeden Monat, dazu der Jahresabschluss | Belege erfassen und Fragen beantworten |
| Kosten | Softwarelizenz | Softwarelizenz und Kanzleihonorar |
| Fehlerrisiko | trägst du allein | Kanzlei prüft und berät |
| Passt für | Kleinunternehmer, einfache EÜR, wenige Sonderfälle | Auslandskunden, Angestellte, Gewerbesteuer, hohe Gewinne |
Ein Mittelweg spart oft das meiste Geld. Du erfasst Rechnungen und Belege selbst und gibst sie per Export weiter, die Kanzlei erstellt Steuererklärung und Abschluss. Dann bucht niemand doppelt.
Wann brauchst du einen DATEV Export?
Einen DATEV Export brauchst du, sobald eine Steuerkanzlei deine Buchhaltung weiterverarbeitet. Die meisten Kanzleien in Deutschland arbeiten mit DATEV-Systemen. Ohne Schnittstelle tippen sie deine Daten ab und berechnen dir die Zeit.
Frag deine Kanzlei vor dem Kauf, welchen Weg sie bevorzugt. Üblich sind zwei: eine Exportdatei mit Buchungsstapel und Belegbildern oder eine direkte Online-Anbindung an das Kanzleisystem. Prüf außerdem, ob die Software den Kontenrahmen deiner Kanzlei nutzt, meist SKR03 oder SKR04.
Worauf achtest du bei Datenschutz, AVV und Serverstandort?
Deine Buchhaltung enthält personenbezogene Daten deiner Kunden, also brauchst du mit dem Anbieter einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO. Seriöse Anbieter stellen diese AVV zum Download oder Abschluss im Konto bereit. Fehlt sie, scheidet das Programm aus.
- Serverstandort in der EU oder im EWR, damit keine Übermittlung in ein Drittland nötig ist.
- Zwei-Faktor-Anmeldung für dein Konto und getrennte Zugänge für Kanzlei oder Mitarbeitende.
- Kompletter Datenexport auch nach der Kündigung, denn deine Aufbewahrungsfrist läuft 8 bis 10 Jahre weiter.
Welche Software passt zu welcher Situation?
| Deine Situation | Was du brauchst |
|---|---|
| Kleinunternehmer, wenige Rechnungen im Monat | Rechnungsprogramm mit E-Rechnungs-Empfang und EÜR, keine Umsatzsteuer-Funktionen nötig |
| Regelbesteuert, ohne Steuerberatung | Komplettlösung mit Voranmeldung per ELSTER, Bankanbindung und EÜR |
| Regelbesteuert, mit Steuerberatung | Belegerfassung und Rechnungen mit DATEV-Schnittstelle, die Kanzlei übernimmt den Rest |
| Viele Kunden im EU-Ausland | Reverse Charge auf der Rechnung und Zusammenfassende Meldung |
| Gewerbe mit mehr als 800.000 € Umsatz | E-Rechnung schon ab 2027 ausstellen, Bilanz statt EÜR prüfen |
Wie testest du eine Buchhaltungssoftware in 4 Wochen?
Teste jede Software 4 Wochen mit echten Daten eines Monats und miss dabei die Zeit. Fast alle Anbieter bieten eine kostenlose Probephase oder einen Monat zur Kündigung. Nutze sie für bis zu zwei Programme parallel und trag die Ergebnisse in die Matrix ein.
| Woche | Aufgabe | Was du misst |
|---|---|---|
| 1 | Rechnungsvorlage mit allen Pflichtangaben anlegen, eine echte Rechnung als XRechnung erzeugen und eine E-Rechnung empfangen | besteht die Datei einen kostenlosen Validator, wird die empfangene Rechnung lesbar angezeigt |
| 2 | Geschäftskonto verbinden und einen Monat Umsätze laden | Anteil der Zahlungen, die automatisch richtig zugeordnet werden |
| 3 | Alle Belege eines Monats per App und E-Mail erfassen | Minuten pro Beleg, Fehler der Texterkennung |
| 4 | Probe-Voranmeldung oder Export für die Kanzlei erstellen, Datenexport testen | stimmen die Kennzahlen mit deiner Rechnung, akzeptiert die Kanzlei die Datei |
Erst nach diesen 4 Wochen weißt du, ob die Software zu deinem Alltag passt. Der Preis allein sagt darüber wenig.
Wie wechselst du die Buchhaltungssoftware ohne Datenverlust?
Wechsle die Buchhaltungssoftware am besten zum Jahreswechsel, damit ein Geschäftsjahr komplett in einem Programm liegt. Ein Wechsel mitten im Jahr ist möglich, du musst dann aber Anfangsbestände und offene Posten übertragen.
- Exportiere alle Rechnungen, Belege und Buchungen aus dem alten Programm, E-Rechnungen im Originalformat.
- Prüf, ob du nach der Kündigung noch lesend auf die Daten zugreifen kannst. Für die Betriebsprüfung musst du sie 8 bis 10 Jahre auswerten können.
- Übertrag Kunden, Artikel, offene Rechnungen und das Anlagenverzeichnis mit den Restbuchwerten.
- Führ die Rechnungsnummern fortlaufend weiter, ohne Lücken und Doppelungen (§ 14 Abs. 4 UStG).
- Lass beide Programme einen Monat parallel laufen und vergleiche die Summen.
- Informier deine Kanzlei vorab, damit sie den neuen Export einrichten kann.
Welche Fehler passieren bei der Auswahl am häufigsten?
- Nach dem Einstiegspreis entscheiden, obwohl der Preis bei deiner Belegmenge in einer höheren Stufe liegt.
- Ein Rechnungsprogramm ohne E-Rechnung kaufen und 2028 erneut wechseln müssen.
- PDF-Anhänge von E-Rechnungen archivieren und die XML-Datei löschen.
- Die Kanzlei nicht fragen und später alle Buchungen doppelt erfassen.
- Keine AVV abschließen, obwohl Kundendaten im Programm liegen.
- Kündigen, ohne vorher alle Daten exportiert zu haben.
Was gehört auf die Checkliste vor dem Abschluss?
- E-Rechnung in XRechnung und ZUGFeRD empfangen und ausstellen möglich
- Anlage EÜR wird erstellt und per ELSTER gesendet
- Voranmeldung per ELSTER, falls du regelbesteuert bist
- Bankanbindung funktioniert mit deinem Geschäftskonto
- Beleg-App und E-Mail-Weiterleitung vorhanden
- Festschreibung, Änderungsprotokoll und Archiv im Originalformat
- DATEV Export oder Kanzleizugang, falls du eine Steuerberatung hast
- Server in der EU und Vertrag zur Auftragsverarbeitung
- Vollständiger Datenexport auch nach Kündigung
- Bewertungsmatrix ausgefüllt und 4-Wochen-Test abgeschlossen
Häufige Fragen
Reicht Excel für die Buchhaltung?
Für die EÜR ist Excel nicht verboten, erfüllt aber die Unveränderbarkeit nach den GoBD nicht von allein. E-Rechnungen kann Excel weder lesen noch schreiben. Spätestens mit der E-Rechnungspflicht wird es mühsam und fehleranfällig.
Brauche ich als Kleinunternehmer eine Buchhaltungssoftware?
Ja, meist schon. E-Rechnungen empfangen und im Originalformat archivieren musst du auch als Kleinunternehmer. Ein einfaches Rechnungsprogramm mit EÜR reicht, weil du keine Voranmeldung abgibst.
Was kostet eine Buchhaltungssoftware für Selbstständige?
Die Preise hängen von Funktionsumfang, Belegmenge und Zahl der Konten ab. Vergleiche den Monatspreis für deine tatsächliche Belegmenge, nicht den Einstiegspreis. Stell ihn dem Wert der gesparten Zeit gegenüber, wie im Rechenbeispiel oben.
Ist eine PDF-Rechnung eine E-Rechnung?
Nein. Eine E-Rechnung ist ein strukturierter Datensatz nach EN 16931, zum Beispiel XRechnung oder ZUGFeRD. Eine reine PDF gilt als sonstige Rechnung und ist im B2B-Geschäft bis Ende 2026 nur mit Zustimmung des Empfängers erlaubt. Bei höchstens 800.000 € Vorjahresumsatz gilt das noch bis Ende 2027.
Ab wann muss ich E-Rechnungen ausstellen?
Ab 2027, wenn dein Gesamtumsatz im Vorjahr über 800.000 € lag, sonst ab 2028. Kleinunternehmer und Kleinbetragsrechnungen bis 250 € sind dauerhaft ausgenommen (§ 34a und § 33 UStDV). Rechnungen an Privatkunden betrifft die Pflicht nicht.
Was bedeutet GoBD-konform bei einer Software?
Die Software muss Buchungen unveränderbar speichern, Änderungen protokollieren und alle Daten exportierbar archivieren. Ob deine Buchführung insgesamt GoBD-konform ist, hängt auch von deiner Arbeitsweise ab. Ein Zertifikat des Anbieters ersetzt das nicht.
Wie lange muss ich Belege aufbewahren?
Rechnungen und Buchungsbelege 8 Jahre, Bücher, Aufzeichnungen und Jahresabschlüsse 10 Jahre (§ 147 Abs. 3 AO). Die Frist beginnt mit dem Ende des Kalenderjahres, in dem der Beleg entstanden ist. Deine Software oder dein Export muss diese Zeit abdecken.
Kann ich die Buchhaltung selbst machen und nur die Steuererklärung abgeben?
Ja. Viele Selbstständige buchen selbst und lassen nur Jahresabschluss und Steuererklärung von einer Kanzlei erstellen. Dafür brauchst du eine Software mit sauberem DATEV Export.
Fazit
Die beste Buchhaltungssoftware für Selbstständige ist die, die deine Rechnungen und Belege mit möglichst wenig Handarbeit GoBD-konform verarbeitet. Prüf zuerst E-Rechnung, EÜR und Bankanbindung, dann DATEV Export und Datenschutz. Füll die Bewertungsmatrix aus und teste die zwei besten Kandidaten 4 Wochen mit echten Belegen.
Rechne am Ende die gesparte Zeit mit deinem eigenen Stundensatz gegen den Preis. Im Beispiel sind das 2.409 € im Jahr, und dafür lohnt sich ein Monat Test.
Keine Steuerberatung. Die Rechner schätzen nach dem Grundtarif 2026. Kinderfreibeträge, weitere Einkünfte, Sonderausgaben und Gewerbesteuer sind nicht berücksichtigt.
Quellen
- § 14 UStG, Ausstellung von Rechnungen
- § 27 Abs. 38 UStG, Übergangsregeln zur E-Rechnung
- § 34a UStDV, Rechnungen von Kleinunternehmern
- § 33 UStDV, Rechnungen über Kleinbeträge
- § 18 UStG, Umsatzsteuer-Voranmeldung
- § 19 UStG, Kleinunternehmer
- § 147 AO, Ordnungsvorschriften für die Aufbewahrung von Unterlagen
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10 PflichtangabenRechnung: Pflichtangaben
Was in die Vorlage gehört.
18,1 % SteuernSteuerrücklage bilden
Umsatzsteuer und Einkommensteuer zurücklegen.
25.000 € GrenzeKleinunternehmerregelung 2026
Ob du Umsatzsteuer berechnen musst.